3. Globale WBF-Konferenz: Weltbananen-Forum will Zusammenarbeit verstärken.

3. Globale WBF-Konferenz: Weltbananen-Forum will Zusammenarbeit verstärken.

In Genf trafen sich im November 2017 rund 300 Vertreter von Gewerkschaften, NGO, Regierungen, Unternehmen und Forschungseinrichtungen, um über Wege zu einer nachhaltigen Bananenwirtschaft zu diskutieren. Diese dritte WBF-Konferenz seit 2009 stand unter der Schirmherrschaft der UN-Organisationen für Ernährungs- und Landwirtschaft (FAO) und der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Gastgeberin war die Schweizer Regierung.

Als Ergebnisse der bisherigen Zusammenarbeit der in drei ständigen Arbeitsgruppen zur nachhaltigen Produktion, Faire Wertschöpfungsketten und Arbeitsrechten aktiven WBF-Mitglieder präsentierte die Konferenz:

  • Eine Fortbildungs-Anleitung für Arbeiter*innen, Unternehmen und Produzent*innen in Gesundheitsschutz und Sicherheit am Arbeitsplatz, das der Arbeitsminister Ecuadors der Konferenz präsentierte.
  • Eine Anleitung für Beste Methoden (Best Practise) im nachhaltigen Bananenanbau.
  • Ein Web-Portal, in dem die Besten Methoden und anderes nützliches Material allen Interessierten zur Verfügung steht.
  • Eine praktische Anleitung zum Messen und Reduzieren des Karbon- und Wasserfußabrucks in der Produktion.
  • Eine Multi-Akteurs-Einsatzgruppe (Task Force) zur Bekämpfung der Pflanzenpilzkrankheit Fusarium Tropical Race 4 durch Einwirkung auf führende Unternehmen und Mitarbeit an globalen phytosanitären Programmen.
  • Fortsetzung der Suche und Präsentation von Zwischenergebnissen für eine abgestimmte Methode bei der Berechnung von existenzsichernden Lohnstandards in den Bananen-Produktionsländern.
  • Einleitung eines erfolgreichen Dialogs für verbesserte Arbeitsbeziehungen in Peru und Westafrika.

Mit Podiumsdiskussionen zwischen Fachleuten und Wortmeldungen aus dem Plenarsaal behandelte die 3. WBF-Konferenz die Themen Menschen bei der Arbeit, Nachhaltigkeit und Klimawandel, Globale Kooperation, Kampf gegen die Bananenkrankheit Fusarium TR 4 und Faire Wertschöpfungsketten. Keine gegensätzlichen Meinungen wurden laut bei der Diagnose, dass die globale Bananenwirtschaft unter sozialen, ökologischen und ökonomischen Krisenerscheinungen leidet. Kontroverse Diskussionen gab es jedoch über die erforderlichen Gegenmaßnahmen.

Workshop für Frauenrechte

Eröffnet wurde die Konferenz mit einem Workshop der Gender Equity Task Force des WBF. Erstmals seit Bestehen des WBF war er offizieller Programmteil der Konferenz und erlaubte nun auch die Teilnahme von Männern. Iris Munguía von der Koordinierung der Bananenarbeiter-Gewerkschaften Lateinamerikas (COLSIBA), Christelle Lasme vom Fruchtunternehmen Compagnie Fruitière und Mariangels Fortuny von der ILO stellten die Forderungen des Workshops am folgenden Tag im Konferenz-Plenum vor: Maßnahmen zur Persönlichkeitsstärkung der Frauen, mehr Festanstellungen von Frauen, Überwindung der Lohn-Schlechterstellung sowie Gesundheitsschutz, Sicherheit und Ende der sexuellen Drangsalierung am Arbeitsplatz und der Gewalt gegen Frauen. Entsprechende Verbesserungen sollen in einem Gemeinsamen Arbeitsplan für Geschlechter-Gleichberechtigung 2017-2019 umgesetzt werden.

Teilnehmer*innen des Workshops

Teilnehmer*innen des Gender Equity Treffens

Arbeit in der Bananenproduktion

Alette van Leur von der ILO kontrastierte die Landwirtschaft als hochgefährliche Arbeitsumwelt mit dem geringen gewerkschaftlichen Organisationsgrad, der schlechten Bezahlung besonders für Frauen und der schwachen Durchsetzung von Arbeitsrechten durch staatliche Institutionen. Auch Sue Longley, Generalsekretärin der Internationalen Union der Lebensmittelarbeiter (IUL), machte die Regierungen für die mangelnde Durchsetzung der Arbeitsrechte verantwortlich. Positive Berichte kamen von Adela Torres, Generalsekretärin der Gewerkschaft SINTRAINAGRO, Kolumbien, die mit dem Unternehmerverband Augura seit vielen Jahren Tarifverträge aushandelt, und George Kporye von der Plantage Golden Exotics in Ghana. Seit 2012 wäre sein Betrieb Fairtrade-zertifiziert und alle Arbeiter*innen in einer Gewerkschaft organisiert: "Wir haben die Gewerkschaft zu unserem Verbündeten gemacht." Allerdings wäre die Zahl der beschäftigten Frauen noch zu gering.

Luis Suarez, Geschäftsführer der Koordinierung der Fairtrade-zertifizierten Kleinproduzenten in Peru, und Juan Herrera von der Gewerkschaft SITAG berichteten, dass nach Jahren der Konfrontation ein Rahmenabkommen zwischen 10 der 36 Kleinproduzentenvereine und danach zwei Tarifverträge unterzeichnet worden sind. "Wir brauchen mehr Fortbildung der Produzent*innen in Arbeitsrecht und Organisation", sagte Suarez, "um die menschlichen Beziehungen zu verbessern." Herrera erklärte: "Es müssen auf beiden Seiten kompetente Gesprächspartner sitzen."

Deborah Greenfield von der ILO verwies darauf, dass die große Mehrheit der extrem verarmten Weltbevölkerung in der Landwirtschaft tätig ist: "Die Leute arbeiten, kommen aber nicht aus der Armut heraus." Die faire Verteilung der Einkommen entlang der Wertschöpfungskette ist ein zentrales Thema des WBF und wird in einer ihrer drei ständigen Arbeitsgruppen behandelt. Gilbert Bermúdez, Vize-Koordinator der Bananen-Gewerkschaftskoordinierung COLSIBA, forderte eine genaue Analyse des Zusammenhangs zwischen sozialer Situation und Lohn der Bananenarbeiter*innen mit der Höhe des für einen Karton Bananen bezahlten Preises. Kozel Peters von der karibischen Kleinproduzentenorganisation WINFA forderte eine Revision der Ankaufspreise: "Wir brauchen mehr Einkommen, um in die Produktivität investieren zu können. Außerdem müssen die Risiken der Umwelt- und Klimaeinflüsse auf die Produktionsergebnisse bei der Preisgestaltung gerecht auf Produzent*innen und Handelsunternehmen verteilt werden."

Unternehmen müssen umdenken

Das Preisdumping von Supermarkt- und Discounterketten in den Konsumentenländern wurde als wesentlicher Grund für die schlechten Löhne in der Produktion genannt. Edgar Monge von der britischen Supermarktkette TESCO berichtete, sein Unternehmen hätte in den letzten Jahren versucht, durch direkte Ankaufverträge mit Bananenfarmen ein ausreichend hohen Preis zu bezahlen, der existenzsichernde Löhne gewährleisten könnte. Aber es stellte sich nicht der erwartete Erfolg ein. Der Grund wäre, dass es noch keine allgemein akzeptierte Methode zur Festsetzung eines solchen Lohns gäbe. Wilbert Flinterman von Fairtrade International (FI) interpretierte das Problem der Armut der Bananenarbeiter*innen als Schnittstelle der drei Negativfaktoren: Unfaire Wertschöpfungsketten, fehlende Tarifverträge und unzureichende gesetzliche Mindestlöhne. Er schilderte die intensive Feldarbeit von FI in Afrika und Lateinamerika zur Ergründung der Kriterien für einen existenzsichernden Lohn.
Zwei konkrete Maßnahmen wurden vereinbart:

  • Die Forschungsinstitute CIRAD und BASIC in Frankreich sollen im WBF die führende Rolle bei einer ständigen Beobachtung der Preis- und Marktentwicklung einnehmen.
  • Es wird eine Kommission interessierter Akteure eingerichtet, die der Frage nach höheren Ankauf- und Einzelhandelspreisen nachgehen soll.

Beim Thema Lohn und Gewerkschaften zeigte sich am Beitrag von Stephen Antig, Geschäftsführer des erstmals am WBF teilnehmenden Verbands der Bananenproduzenten und Exporteure auf den Philippinen (PBGEA), dass in der Sache noch große Differenzen bestehen können. Antig erklärte, sein Verband wäre gegen Gewerkschaften, weil in seinem Land die Lohnkosten von 30% an den Produktionskosten großer Farmen und 50% bis 60% bei den Kleinproduzenten bereits sehr hoch bzw. zu hoch wären. "Die Gewerkschaften wollen immer mehr Lohn haben", bemängelte Antig.

Ansonsten wurde bei der Konferenz der Zusammenhang zwischen Arbeitslöhnen, Produktionskosten und Preisen doch eher differenzierter wahrgenommen. Als Arbeitsansätze ergaben sich im Resümee die Sorge für eine nicht diskriminierende Teilhabe an der Wertschöpfung mit fairen Arbeitslöhnen und Einkommen für Kleinproduzent*innen, die Förderung von gemeinsamen nationalen Initiativen des Einzelhandels mit anderen Akteuren aus Politik und Zivilgesellschaft, die Förderung gerechter Mindestlohnfestsetzungen in den Produktionsländern und eine Untersuchung der Auswirkung von Tarifverträge auf die Produktionskosten. Als sensibles, aber notwendiges Thema wegen der Überproduktion auf dem Weltmarkt wurde die Steuerung der Produktionsmenge angesprochen, wozu eine entsprechende politische Bereitschaft der Regierungen in den Produktionsländern nötig wäre.

Die Angst im Nacken

Die Gefahr einer weltweiten Ausbreitung der Pilzkrankheit Fusarium TR4 kam in Genf deutlich zur Sprache. In einem Dutzend Länder in Asien und Afrika wurden bereits Bananenkulturen vernichtet. Wegen der großen Angst vor Fusarium TR4 war kein bananenproduzierendes Land bereit, Gastgeber der 3. WBF-Konferenz zu sein, an der so viele Menschen mit direktem Kontakt zu eventuell infizierten Bananenpflanzen teilnehmen. "Man kann den Pilz nicht beseitigen, nur seine weitere Ausbreitung zu verhindern versuchen ", sagte Koronado Apuzen, Geschäftsführer von Farmcoop auf den Philippinen. In seinem Land wären bereits 6.000 Hektar zerstört worden.

Stewart Lindsay vom Landwirtschaftsministerium in Queensland, Australien, betonte, dass allein in Afrika Bananen für 100 Millionen Menschen Grundnahrungsmittel sind. Ein massiver Ernteausfall durch Fusarium TR4 könnte dort eine beispiellose Hungerkatastrophe auslösen. Lindsay vermutete, dass die Export-Monokultur mit sehr geringer genetischer Variationsbreite der kommerziell genutzten Pflanzen die Voraussetzung zur Ausbreitung des Pilz TR4 ist. "In Queensland haben wir die Sporen des Fusarium TR4 in den Wurzeln anderer Pflanzen gefunden, ohne dass es zu Erkrankungen kam. Der Pilz ist Teil des Bodens. Er wartet darauf, sich über die Bananen-Monokultur zur Katastrophe zu entwickeln." Der Konferenz folgte ein ganzer Tag mit Beratungen zum Thema Fusarium TR4.

Dass die Gefahr durch TR4 nur durch vorbeugende Maßnahmen bekämpft werden kann, intensivierte die Diskussion über einen besseren Umgang mit dem Boden, Wasser und der Artenvielfalt. Inge Van den Bergh, Koordinatorin des Web-Portals promusa.org berichtete, dass im Bananenanbau zunehmend mehr synthetische Agrarchemikalien eingesetzt werden als in anderen Agrarkulturen, dazu noch sehr ineffizient. Bei der Luftbesprühung gegen den Pilz Sigatoka Negra würden 50% gar nicht auf den Bananenfeldern sondern in der Umgebung landen. Manfred Pülm vom Unternehmen Greenyard berichtete von Erfolgen durch eine intensive Fortbildung der Produzent*innen in einfachen Techniken zur Reduzierung des Wasserverbrauchs, der Bodenerosion und des Stress für die Bananenpflanzen. Thierry Lescot, Agronom im französischen Forschungsinstitut CIRAD, erklärte mit Blick auf eigene Erfahrungen in Afrika, dass im Bananenanbau eine Landwechselwirtschaft mit Brache ökonomisch möglich ist, die Böden sich dadurch kräftigen und somit der Einsatz hochtoxischer Agrarchemikalien z.B. in Costa Rica unnötig sein würde. Dem widersprach allerdings entschieden Mariano Jiménez vom halbstaatlichen Unternehmensverband CORBANA und zeigte damit, dass das Verharren in eigentlich gescheiterten weil ökologisch selbstmörderischen Konzepten nur schwer zu überwinden ist. Iain Farquhar von der britischen NGO Banana Link forderte die Intensivierung der Erforschung des Biosystems Boden, das noch weitgehend unbekannt wäre.

Einheit beschworen

Vor dem Ruin der globalen Bananenwirtschaft wurde auch auf einem Treffen von Gewerkschaften der Bananenarbeiter*innen und Kleinproduzent*innen gewarnt. Sie trafen sich auf Einladung der Internationalen Union der Lebensmittelarbeiter (IUL) in Genf vor der 3. WBF-Konferenz und befanden, dass die großen Monokulturplantagen mit geringen Löhnen und hohem Pestizideinsatz die Gesundheit der Arbeiter, Naturvorkommen sowie lokale Gemeinden zerstören und zur Ausbreitung von Fusarium TR4 geführt haben. Dadurch steht die Existenz der Bananenproduktion an sich auf dem Spiel. An die WBF-Konferenzteilnehmer richtete sich der Aufruf zur Überwindung der Monokultur durch ökologische Vielfalt zur Abwehr von Plagen und Klimaschäden, Beendigung des Einsatzes synthetischer Agrarchemikalien, würdige Arbeitsbedingungen mit Gewerkschaftsfreiheit und Tarifverträgen, faire Verteilung der Wertschöpfung in der Bananenwirtschaft und aktive Teilhabe der Frauen auf allen Ebenen.

Die lebhaften Beiträge und verschiedenen Ideen während der 3.Konferenz sowohl seitens der Podiumsdiskutanten als auch der Plenumsteilnehmer*innen bestärkten zusammen mit den erzielten Ergebnissen die Hoffnung, dass die Kooperation im WBF zu neuen Ergebnissen führen kann. Das gilt auch für die andauernden Initiativen, um mehr Regierungsvertreter für eine aktive Rolle in diesem internationalen Gremium zu gewinnen. Aber der Weg hin zu einer nachhaltigen Bananenwirtschaft ist noch sehr lang, viele soziale, ökologische und ökonomische Probleme bedürfen einer Lösung. "Bei der Diskussion über die Abwehr der Gefahr durch Fusarium TR4 beschworen die Redner*innen die Notwendigkeit einer selbstlosen internationalen Zusammenarbeit aller Akteure", kommentiert Helge Fischer, der für BanaFair an der Konferenz teilnahm. "Diese Gemeinsamkeit brauchen wir auch zur Überwindung der Ungerechtigkeiten im Einkommen von Beschäftigten."

Iris Munguía und Adela Torres BanaFair

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